1. Frankreich geht rigoros gegen PFAS vor
Frankreich hat als eines der ersten europäischen Länder ein strenges Gesetz gegen PFAS, die sogenannten „Forever Chemicals“, verabschiedet. Ab 2026 sind diese Schadstoffe unter anderem in Kosmetika, Textilien und Skiwachs verboten. Außerdem wird eine Abgabe für Unternehmen eingeführt, die PFAS in die Umwelt einleiten. In Deutschland gibt es bislang kein vergleichbares nationales PFAS-Gesetz wie in Frankreich. Stattdessen setzt die Bundesregierung vor allem auf eine europäische Regulierung.
2. Beheizte Terrasse sind in Frankreich verboten
Seit 2022 dürfen in Frankreich überdachte Restaurant-Terrassen weder beheizt noch gekühlt werden. Das untersagt ein couragiertes Umweltgesetz, denn Terrassen sind in französischen Großstädten oft der wichtigste (weil größte) Teil eines Cafés oder einer Brasserie. Auch Klimaanlagen sind verboten, aber brumisateurs (Vernebler) sind weiterhin erlaubt.
2. Hohe Strafe fürs Wegwerfen von Zigarettenkippen
In mehreren französischen Städten, darunter Paris, muss man mit einer Geldstrafe in Höhe von 68 € rechnen, wenn man eine Zigarettenkippe auf die Straße oder in den Rinnstein wirft. Einige Gemeinden gehen noch strenger vor. So kündigten unter anderem Obernai (Elsass) und die Küstenstadt Arcachon an, dass Verstöße mit einer Geldstrafe von bis zu 750 € geahndet werden. In Badeorten und Naturschutzgebieten besteht außerdem die Gefahr von Wald- und Dünenbränden. Dort ist es besonders gefährlich und rücksichtslos, eine Zigarettenkippe achtlos wegzuwerfen. Raucher müssen daher mit erheblichen Geldstrafen rechnen.
4. Obst und Gemüse dürfen in Frankreich nicht mehr in Plastikverpackungen verkauft werden
Gurken, Bananen, Tomaten, Zucchini, Kartoffeln … Seit 2022 dürfen zahlreiche Obst- und Gemüsesorten in Frankreich nicht mehr in Plastikverpackungen verkauft werden. Für empfindliche Produkte wie Salat, Spinat, Spargel und Pilze wurde den Herstellern noch Aufschub gewährt, sodass sie Alternativen finden können. Weiches Obst wie Erdbeeren, Himbeeren und andere Beeren muss spätestens 2026 plastikfrei in den Regalen liegen.
5. Französische Hausbesitzer dürfen im Winter niemanden vor die Tür setzen
Dem sog. trêve hivernale zufolge dürfen Hausbesitzer ihre Mieter zwischen dem 1. November und dem 31. März nicht mehr aus dem Haus werfen. Auch dann nicht, wenn ihnen illegale Untervermietung oder Mietrückstand vorgeworfen werden kann oder gar ein Räumungsverfahren läuft. Dieses französische Gesetz soll verhindern, dass Mieter in der Winterkälte auf die Straße gesetzt werden.

6. In Schulkantinen ist Ketchup fast tabu
In französischen Schulkantinen gelten strenge Ernährungsvorschriften. Ketchup ist nicht vollständig verboten, darf aber nur zu bestimmten Gerichten serviert werden, beispielsweise zu Pommes frites – also nicht einfach zu jeder Mahlzeit. Die Idee dahinter: Kinder sollen sich an den Geschmack von Gemüse und anderen Produkten gewöhnen, ohne alles in Soße zu ertränken. Außerdem muss mindestens 1 x pro Woche ein vegetarisches Gericht auf dem Speiseplan stehen. Und das Kantinenpersonal ist verpflichtet, von jedem Gericht 8 Tage lang eine „Probe” aufzubewahren, das sogenannte plat-témoin, für den Fall, dass später ein Problem (Allergie, Lebensmittelvergiftung) auftritt.
7. Handys wurden aus den französischen Schulen verbannt
Seit 2018 sind Mobiltelefone in öffentlichen Schulen in Frankreich verboten. Die Schüler müssen alle Apparate mit Internetanschluss abgeben oder weglegen, bevor sie die Klasse betreten. Diese Regelung gilt für Grundschulen und collèges (Schüler bis zu 15 Jahren). An den lycées können die Schulleitungen die Richtlinien selbst bestimmen.
8. In Frankreich kann man jemanden heiraten, der verstorben ist
Seit 1914 sind posthume Eheschließungen in Frankreich erlaubt. Ursprünglich wurde dieses Gesetz für die Kinder der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten ins Leben gerufen. Doch 1959 reaktivierte Präsident Charles de Gaulle das Gesetz als Folge der Staudamm-Katastrophe in der Provence. Eine junge, schwangere Frau durfte ihren verunglückten Verlobten nach seinem Tod heiraten. Noch immer ist das möglich, sofern die betreffenden Personen beweisen können, dass sie heiraten wollten, bevor einer von beiden verstorben ist. Weiterhin braucht man für die posthume Eheschließung die Zustimmung des Präsidenten.
9. In einem französischen Restaurant habt ihr Anspruch auf kostenloses Leitungswasser
Einem alten Gesetz zufolge sind französische Gastronomen dazu verpflichtet, Gratis-Leitungswasser zu den Mahlzeiten zu servieren, wenn die Gäste darum bitten. Ein Restaurantbesitzer kann also seine Gäste nicht zwingen, für eine Flasche Mineralwasser zu bezahlen. Ein ganz neues Gesetz legt weiterhin fest, dass dieses Recht auf kostenloses Leitungswasser ab 2023 auch auf der Speisekarte oder an anderer Stelle im Restaurant gut sichtbar gemacht werden muss. Französische Kneipenbesitzer hingegen sind nicht dazu verpflichtet, ein kostenloses Glas Wasser zu servieren.

10. Französische Supermärkte dürfen kein Essen wegwerfen
Französische Supermarktketten sind verpflichtet, nicht verkaufte Lebensmittel an Lebensmittelbanken abzugeben, anstatt sie wegzuwerfen oder zu vernichten.
11. Verpflichtender Reparatur-Index auf Elektrogeräten
In Frankreich müssen viele Elektrogeräte einen sogenannten indice de réparabilité tragen: eine Reparaturbewertung mit einer Skala von 1 bis 10. So sieht man auf den ersten Blick, wie einfach eine Waschmaschine oder ein Smartphone zu reparieren ist. Die Hersteller sind dazu verpflichtet, diese Informationen anzugeben. Das Ziel: weniger wegwerfen, mehr reparieren. Außerdem hat Frankreich bereits 2015 die „geplante Alterung von Produkten” (obsolescence programmée) von Geräten durch Hersteller unter Strafe gestellt.
12. Auf dem Lande hat der Hahn das Recht zu krähen
Seit 2021 schützt ein neues Gesetz die typisch ländlichen Geräusche und Gerüche in Frankreich. Das Läuten der Kirchenglocken, das Rattern des Traktors und der Gestank des Misthaufens gehören zum patrimoine sensoriel des campagnes, also zum sensorischen Erbe des ländlichen Raums. Das Gesetz soll das Landleben vor den Beschwerden von Urlaubern und Städtern mit Zweitwohnsitz schützen. Denn: In den letzten Jahren traten diese Beschwerden immer häufiger auf. So gab es 2019 auf der Ile d’Oléron ein Gerichtsverfahren gegen die Besitzerin des Hahns Maurice, der zu früh am Morgen mit seinem Kikeriki die Anwohner terrorisiert haben soll. Und vor ein paar Jahren kam es in der Provence zu einem Aufstand, als sich Urlauber beim Bürgermeister über den zu lauten Gesang der Zikaden beschwerten.
13. Bezahlen für „Notaufnahme-Missbrauch“
Seit 2022 muss jeder, der sich in Frankreich in die Notaufnahme begibt und eigentlich nicht in Krankenhaus aufgenommen werden muss, nach der Behandlung 19,61 € aus eigener Tasche bezahlen. Damit sollen Menschen abgeschreckt werden, die mit relativ geringfügigen Beschwerden in den urgences (Notaufnahmen) auftauchen. Ausnahmen gibt es für Schwangere, bei Arbeitsunfällen und einigen anderen Notfällen.
14. Quittungen nur noch auf Anfrage
Papierquittungen werden in Frankreich nur noch ausgestellt, wenn der Kunde darum bittet. Dieses neue Umweltgesetz ist bereits teilweise in Kraft getreten, wird aber ab dem 1. September 2023 in allen Geschäften endgültig eingeführt. Die Kunden erhalten dann Quittungen nur noch per SMS oder E-Mail. Es sei denn, sie bitten an der Kasse ausdrücklich um einen Papierbeleg.
15. Kein Alkohol am Arbeitsplatz … außer Wein, Bier und Cider
Dem Code du travail zufolge ist Alkohol am Arbeitsplatz streng verboten. Es sei denn, es handelt sich um „Wein, Bier, Cider oder poiré (Birnen-Cider)“. Nur Champagner und Spirituosen fallen also durchs Raster. Doch als Arbeitnehmer kommt man mit den erlaubten Getränken wohl auch ganz gut durch den Tag.

Und … darf man sein Schwein in Frankreich Napoleon nennen oder nicht?
Napoleon verbot den Franzosen, Schweine nach ihm zu benennen: Das sei eines Kaisers nicht würdig! Eine noch immer weit verbreitete Legende besagt, dass dieses Gesetz nie aufgehoben wurde und die Regel noch immer gilt. Eine wirklich schöne Geschichte, aber leider nicht wahr!
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Text: Nicky Bouwmeester, Fotos: Copyright Magali (Schild), Nicky Bouwmeester (Karaffe), CC-BY Leah Kelly (Schwein), CC-BY Bladsurf (Türe)
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