Das wahre Glรผck besteht aus einer groรen Platte mit Meeresfrรผchten. Mit mehr Austern, langoustines, bulots und palourdes, als man essen kann โฆ Welche Arten von Meeresfrรผchten gibt es? Und wie isst man sie am besten?ย
Ein Glas kรผhler Pinot Blanc, gesalzene Butter und pain de seigle. Und dann kommt der Ober mit einer gigantisch groรen plateau de fruits de mer. Eine wahre Vรถllerei, bei der man (fast) Schuldgefรผhle bekommen kรถnnte. Doch das Ganze ist gut zu verdauen, hat nur wenige Kalorien und ist noch dazu richtig gesund. Wir sind im Reich des Diรคtgottes!

โR im Monatโ: franzรถsischen Ursprungs
Der Brauch, Austern und Muscheln nur in den Monaten mit einem โRโ zu essen, stammt aus Frankreich. Im 18. Jahrhundert gab es so viele tรถdliche Lebensmittelvergiftungen am franzรถsischen Hof, dass der Kรถnig eingreifen musste. Im Jahr 1759 ordnete Ludwig XV. an, man dรผrfe Fruits de Mer nur noch von November bis April essen. Also dann, wenn es drauรen kalt genug war, um die Kรถstlichkeiten auch sicher transportieren zu kรถnnen.
Schalen- und Krustentiere auf dem Plateau de Fruits de Mer:
Huรฎtres โ Austern
Austern gibt es in vielen Sorten und Grรถรen (in diesem Artikel erfahrt ihr mehr), doch in Frankreich findet man auf den Meeresfrรผchteplatten meistens einigeย fines de claires, creusesย und/oder spรฉcialesย in der Grรถรe 3. Herrlich, um diese direkt aus der Schale zu schlรผrfen. Die Flรผssigkeit (kein Meerwasser!) kรถnnt ihr vor dem Essen weggieรen, doch das ist nicht notwendig.
Crevettes โ Garnelen
Gekochte cervettes rosesย (rosa Garnelen) gehรถren unbedingt auf ein klassisches plateau de fruits de mer.ย Hierbei handelt es sich um regionale Garnelen aus den kalten Gewรคssern des Nordatlantiks, daher haben sie auch so einen festen Biss. Manchmal gibt es auch eine kleine Schaleย crevettes grisesย (unsere Nordseekrabben), doch seltsamerweise sind diese in Frankreich nie gepellt.
Langoustines โ Kaisergranat/Langustinen
Mini-Hummer (Foto unten), die in einer Bouillon oder Salzwasser gekocht sind, pellt man so wie eine Garnele: Kopf abbrechen, den Panzer รถffnen und ablรถsen, alles mit den Hรคnden. Manche Leute kauen noch etwas auf den Scheren herum, denn darin steckt auch etwas Fleisch.
Bulots โ Wellhornschnecken
Diese groรen, schwarzen Meeresschnecken (auf dem Foto rechts unten) sind ebenfalls eine Standard-Zutat eines plateau, auch deshalb, weil sie relativ gรผnstig sind. Man holt sie mit einem Pin oder einer schmalen, langen Gabel aus dem Gehรคuse. Meistens werden sie zusammen mit einer Schale frischer Mayonnaise serviert.
Bigornaux โ Strandschnecken
Kleine, schwarze Muscheln (auf dem Foto links unten), die mit einer Art Nadel gegessen werden.
Palourdes โ Venusmuscheln (vongole)
In der Regel sind palourdes gekocht, doch manchmal liegen sie auch roh auf dem Teller โ ein Zeichen dafรผr, dass sie besonders frisch sind.
Tourteau โ Taschenkrebs
Ein weiterer Tellergenosse ist der Krebs (aus der Bretagne oder Normandie), von dem meist eine Hรคlfte oder ein paar Zangen auf dem Teller liegen. Jetzt braucht ihr aber Werkzeug: Mit einem โNussknackerโ รถffnet ihr den Panzer, sodass ihr mit einer Gabel das Fleisch herausholen kรถnnt.
Homard โ Hummer
Auf den etwas teureren plateaus liegt auch meist ein halber Hummer. In der Speisekarte steht im Prinzip mehr รผber seine Herkunft: In den besseren Brasserien kommt er natรผrlich aus der Bretagne (der beste!), aber es kann auch ein homardย amรฉricainย oder canadienย sein โฆ Auch fรผr diesen Kerl braucht ihr eine Zange und eine dรผnne, lange Gabel, um ans Fleisch ranzukommen. Die pinceย (Schere) des Hummers schmeckt am besten.
Coquilles Saint-Jacques โ Jakobsmuscheln
Eine weitere leckere Zugabe: Jakobsmuscheln, die es aber nur bei der Luxus-Variante des plateaus gibt. Die besten werden mit der Hand bei Boulogne-sur-Mer gesammelt, doch auch die Bretagne ist ein bekannter Lieferant von coquilles. Man isst sie ganz einfach mit Messer und Gabel.
Weitere Zutaten:
Amandes de merย (Meermandel): groรe Muscheln mit dickem, festen Fleisch aus dem Mittelmeer.
Couteauxย (Schwertmuschel): meist mit etwas Knoblauch gedรผnstet
Moulesย (Muscheln) kommen oftmals von der Atlantikkรผste (Charente-Maritime, Pays de la Loire) oder aus der Normandie, wo sie an bouchotsย (Holzpfรคhlen im Meer) wachsen. Bei Ebbe liegen sie somit kurze Zeit im Trockenen und dadurch bekommen sie einen anderen โ milderen โ Geschmack als beispielsweise Muscheln aus Zeeland.
Restaurant-Empfehlungen fรผr Fruits de Mer in Paris
Brasserie Le Dome, Ecailler de Bistro (van Bistro Paul-Bert), Brasserie Wepler, Stern (besondere Adresse im 17. Arr.!), Brasserie Lorraine, Mobilis in Mobili (Marais), Lโรlot und Le Bar ร huรฎtres (diverse Filialen).
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Text: Nicky Bouwmeester, Hauptfoto: Beeldig Beeld/StockFood Beeld: CC/Beth PH (Langustinen), CC/Currystrumpet (Fruits de Mer bei Le Dรดme oder CC/Paul Haahr), CC/Gigile (palourdes), CC/Alex Brown (leere Platte), Cc/Haken Dahlstroom (Auslage mit coquilles), CC/Paris Sharing (oursins).






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