Strände, Buchten, Kunst, Kreuzfahrtschiffe und ein U-Boot!
Bei Saint-Nazaire dachte ich vor allem an den Schiffbau, diese riesige Brücke über die Loire und eine eher industrielle Küstenstadt. Das stimmt auch alles. Aber gleichzeitig weht durch die Stadt eine unerwartet entspannte Atmosphäre. Strand, Street Art, trendige Hotspots, Belle-Époque-Villen und kleine Buchten wechseln sich hier ab.
Wo genau liegt Saint-Nazaire?
Saint-Nazaire liegt etwa eine Autostunde von Nantes entfernt, an der Mündung der Loire. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der ehemalige Fischerort zu einem bedeutenden Seehafen. Von hier aus legten große Ozeandampfer in Richtung Antillen und Zentralamerika ab. Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Deutschen hier einen gigantischen U-Boot-Bunker. Diese Base Sous-Marine überstand die massiven Bombardierungen des Krieges – im Gegensatz zu 85 % der Gebäude der Stadt. Wenn man in Saint-Nazaire ist, kann man dieses Bauwerk unmöglich übersehen. Ein riesiger Betonkoloss. Gi-gan-tisch groß! Rau. Brutalistisch. Faszinierend. Und man kann einfach hineinspazieren. Heute befinden sich dort kleine Geschäfte, Ausstellungen, das Office de Tourisme, der Zugang zu Escal’Atlantic (siehe unten) – und ab Juni sogar ein Base-Jump-Parcours! Dank der außergewöhnlichen Beleuchtung eignet sich der Ort außerdem perfekt für kunstvolle Fotos.
Auf dem Rad entlang von Boulevards und Stränden
Saint-Nazaire lässt sich überraschend gut mit dem Fahrrad erkunden. Wir mieten uns beim Office de Tourisme E-Bikes und radeln entlang der Promenade Richtung Meer. Startpunkt ist der Place du Commando, ein beliebter Platz direkt am Strand, wo sich die Einheimischen auf einen Kaffee, zum Mittagessen oder zum Apéro treffen. Von dort solltet ihr unbedingt noch bis zur Loire-Mündung spazieren und euch die drei gigantischen Kunstwerke aus Beton ansehen: ein Fuß, ein Pullover und ein Verdauungstrakt. Sie gehören zur Kunstroute entlang der Loire zwischen Nantes und Saint-Nazaire. Anschließend fahren wir am Stadtstrand Grand Plage vorbei, wo wir Sammy begrüßen – die große Statue, die an die amerikanischen Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnert.

Beim Radeln entlang der Promenade ist auf der Stadtseite noch einiges vom Glanz des 19. Jahrhunderts zu sehen. Hinter dem Jardin des Plantes biegen wir in das Viertel La Havane ab, wo farbenfrohe Belle-Époque-Villen stehen. Straßennamen wie Santander, La Havane und Veracruz weisen auf die transatlantische Vergangenheit der Stadt. Pure Nostalgie!

Pêcheries: fotogene Fischerhäuschen
Zeit für eine Kaffeepause – oder eher einen Fotostopp. Denn an der kleinen Kaffeebar Bara-k möchten wir den Blick auf die berühmten pêcheries genießen: hölzerne Fischerhütten auf Stelzen über dem Meer. Einige davon kann man sogar mieten! Das ist nicht nur ein Traum für leidenschaftliche Angler, erzählt man uns. Auch ruhesuchende Urlauber lieben diese außergewöhnlichen Unterkünfte. Und das ist nicht weiter verwunderlich, denn es gibt keinen Internet-Stress, dafür endlose Blicke über den Atlantik. Interessiert? Die Häuschen mit den Nummern 104 und 172 können für 50 € pro Tag gemietet werden.

Die Promenade endet am Plage de Villès-Martin, einem typischen Familienstrand mit großem Spielplatz und einer Strandbar namens Papillon. Dort servieren Igor und sein Team alles, was man für einen langen Tag am Meer braucht. Außerdem ist dies der perfekte Ort für einen Sundowner!

Die Strände von Saint-Nazaire
Doch das Strandglück endet hier noch lange nicht! Zur Gemeinde Saint-Nazaire gehören insgesamt 20 Strände – die meisten davon verstecken sich in kleinen Buchten entlang der Küste. Wir besuchten auch …
🏖️ Plage de Monsieur Hulot
Diese Bucht im eleganten Saint-Marc-sur-Mer verdankt ihren Namen dem Film Les Vacances de Monsieur Hulot von Jacques Tati aus dem Jahr 1953. Der Strand begeistert mit feinem Sand und einer wunderbar entspannten Atmosphäre. Wir übernachteten hier direkt am Meer im Hôtel de la Plage. Zum Mittagessen ging es ins strandnahe La France.
🌅 Plage de Jaunais
Richtung Pornichet findet ihr diesen Strand: eine kleine, zwischen Felsen versteckte Bucht direkt am Küstenwanderweg. Besonders am späten Nachmittag ist es dort wunderschön.

🌊 Plage de la Courance
Größer, wilder und vor allem bei Windsurfern und Skimboardern beliebt. Strandbars und Liegen gibt es hier nicht – nur das Meer, den Wind und ganz viel Platz!

Wandern auf dem Zöllnerpfad
Auch für Wanderer ist diese Region ein echtes Paradies. Entlang der Küste verläuft der berühmte GR34, der hier auch sentier côtier genannt wird. Der Fernwanderweg führt vom Mont-Saint-Michel entlang der bretonischen Küste bis nach Saint-Nazaire. Schon eine kurze Etappe vermittelt dieses herrliche Wandergefühl, das von Meer, Felsen und salziger Atlantikluft geprägt ist.

An Bord der Escal’Atlantic: fast wie auf der Titanic
Zu den absoluten Höhepunkten in Saint-Nazaire gehört ein Besuch der Escal’Atlantic: ein Museum in der ehemaligen Base Sous-Marine. Über einen Steg gelangt man in den Rumpf eines alten Passagierschiffs. Man hat das Gefühl, man würde einen alten Ozeandampfer betreten.Die Ausstellung erzählt die Geschichte der transatlantischen Linienschiffe, die einst von Saint-Nazaire in Richtung Antillen und Zentralamerika aufbrachen. Haupthalle, Speisesaal, Kabinen, Maschinenraum, Deck … der Rundgang ist eine faszinierende Entdeckungsreise. Als ob man auf der Titanic wäre! Zu sehen sind Gegenstände und die Einrichtung berühmter paquebots, also von Luxus-Ozeandampfern, wie Le France (1962) und Le Normandië (1935). Außerdem kann man vieles selbst ausprobieren, denn es gibt zahlreiche Touchscreens und interaktive Elemente (für jedes Alter). Eine klare Empfehlung! Alle Informationen findet ihr hier: Escal’Atlantic.





Duik onderwater, in de Espadon
Direkt gegenüber liegt die Espadon, ein französisches U-Boot aus dem Jahr 1960. Während einer Audiotour läuft man durch die engen Gänge, in denen 65 Matrosen monatelang lebten. Die Espadon war übrigens das erste französische U-Boot, das unter dem Polareis tauchte. Ein klaustrophobisches Gefühl? Schon ein bisschen. Aber absolut faszinierend!

Insidertip: vanaf het dak heb je uitzicht op de gigantische scheepswerven van Saint-Nazaire, Chantier de l’Atlantique, waar nog altijd cruiseschepen gebouwd worden. Je kunt daar ook een rondleiding boeken, al moet je tijdig reserveren en een identiteitsbewijs meenemen!
L’Escal’Atlantic 15 € (Erw.) und 7,50 € (Kinder 4-17 Jahre). U-Boot Espadon 13 € (Erw.) und 6,50 € (Kinder 4-17 Jahre). Führung durch die Werft Chantiers de l’Atlantique, 21 € (Erw.) und 10,50 € (Kinder). Eine Reservierung ist notwendig. Nehmt auf jeden Fall einen gültigen Reisepass oder europäischen Personalausweis mit! Außerdem gibt es Kombitickets, die über das Office du Tourisme gebucht werden können.
Parc de Brière: ein Paradies für Vogelfreunde
Nur knapp 15 Minuten von der Stadt entfernt beginnt mit dem Parc naturel régional de Brière eine völlig andere Welt. Vom Aussichtsturm Le Belvédère de Rozé hat man einen fantastischen Rundumblick über die Landschaft. Noch schöner ist es allerdings, dieses einzigartige Moorgebiet mit seinen Wasserwegen und endlosen Schilfgürteln vom Boot aus zu entdecken.
Und genau das machen wir zusammen mit Matthias, unserem begeisterten 23-jährigen Guide, der hier aufgewachsen ist und fast täglich als Naturführer und Hobbyfotograf unterwegs ist. Er erzählt uns vom enormen Unterschied des Wasserstands (bis zu 1,5 Meter zwischen Winter und Sommer) und von der beeindruckenden Vogelwelt in diesem Gebiet, das während des großen Vogelzugs ein wichtiger Rastplatz ist. Besonders faszinierend fanden wir jedoch seine Geschichte über die Wanderung der Aale: Hier lebt eine der größten Aalpopulationen der Region. Als winzige Glasaale kommen sie aus dem Ozean in dieses Gebiet. Die glitschigen Tierchen wachsen hier zu ausgewachsenen Aalen heran. Und dann kommt die Zeit, um wieder zu ihrem Laichplatz zurückzukehren. Und der liegt, kaum zu glauben, tatsächlich bei Bermuda! Durch die Schleusen, über die Loire-Mündung und über den Atlantik geht ihre Reise zu dem Ort, wo ihre letzte große Aufgabe auf sie wartet: die Fortpflanzung, bevor ihr Leben endet. Doch nicht nur diese faszinierende Geschichte beeindruckt uns. Auch die Stille, die nur vom Rascheln des Schilfs unterbrochen wird, macht dieses Naturgebiet so besonders.

Kurz gesagt: Saint-Nazaire gehört zu den Reisezielen, die man sich eigentlich nur kurz ansehen möchte – und dann viel länger bleibt als geplant. Vielleicht nicht die schönste Stadt an der Atlantikküste, aber ganz sicher eine mit Charakter. Und mit erstaunlich vielen Überraschungen!
Alle Informationen über Saint-Nazaire findet ihr auf der deutschsprachigen Website von www.saint-nazaire-tourisme.de
AUCH INTERESSANT:
10 Gründe, warum Noirmoutier so eine schöne Insel ist
Rochefort: Familien-Highlights im Arsenal des Mers
5 hippe Highlights in Nantes
Text: Josee Schouten, Fotos: Josee Schouten, Danielle van Poppel, Espadon: CC Maelwenn Leduc
Keine Reaktionen