Pays de la Loire ist eine Region im Westen Frankreichs, die direkt unterhalb der Bretagne liegt. Dieses schöne Gebiet grenzt an die Atlantikküste und erstreckt sich landeinwärts entlang der Loire. Während unserer Reise konzentrierten wir uns jedoch auf die Küstenregion, die sich aus den Departements Loire-Atlantique und Vendée zusammensetzt. Über den Ort Saint-Nazaire haben wir ja bereits einen Artikel geschrieben. Dort begannen wir unseren Roadtrip – und waren sofort begeistert! Ob das wohl der Auftakt zu weiteren schönen Entdeckungen war? Mit viel Erwartungsfreude setzten wir also unsere Reise fort. Hier kommen unsere Eindrücke von den verschiedenen (Küsten-)Orten, die wir besucht haben.
Saint-Brévin: Strand, Schlange und Strandsegeln
Nachdem wir die imposante Loire-Brücke überquert hatten, die Saint-Nazaire mit Saint-Brévin verbindet, erwartete uns ein überraschender Eyecatcher. Als wir in Richtung Strand fuhren, sahen wir sie liegen: Le Serpent d’Océan. Dieses Kunstwerk ist ein 133 Meter langes Stahlskelett einer Seeschlange. Sie ist so gebaut, dass sie sich mit den Gezeiten verändert: Bei Ebbe liegt das Skelett frei auf dem Sand, bei Flut stehen die Wirbel teilweise unter Wasser. Sehr beeindruckend, und auf jeden Fall einen kleinen Umweg wert! Es ist eines der vielen großen Objekte der Kunstroute Estuaire, die sich entlang der Loire bis zur Stadt Nantes erstreckt.
Der Ort Saint-Brévin besteht aus zwei Teilen: Der Hauptbereich L’Océan mit seinem Sandstrand und den Strandbars ist der Sehnsuchtsort für Sonnenanbeter und Terrassenliebhaber. Der Strand von Les Pins ist das Revier der Wassersportler. Von Katamaransegeln über Windsurfen, Stand-up-Paddling und Kitesurfen bis hin zum Wingfoilen: Hier kann man alle möglichen Wassersportarten erlernen oder ausüben. Doch eine davon hat uns derart begeistert, dass wir am liebsten gleich wieder zurückkommen möchten …
Strandsegeln: ein fantastisches Erlebnis
Die größte Wassersportattraktion hier ist das Strandsegeln. Und das durften wir uns auf diesen breiten Stränden natürlich nicht entgehen lassen! Bei der Strandsegelschule EKS konnten wir eine Schnupperstunde mit Matthieu buchen. Als absolute Anfänger erhielten wir erst einmal eine Einweisung in den Aufbau des Strandseglers und in die Fahrtechnik. Es gab nur ein Problem: Wir hatten keinen Wind. Das war zumindest unser Eindruck. Doch Matthieu schaute kurz zum Himmel und erklärte uns, dass alles gut werden würde.



Und tatsächlich: Nach wenigen Minuten blähte sich das Segel plötzlich auf und wir rollten schneller über den endlos erscheinenden Sandteppich, als wir es uns jemals vorstellen konnten. Mit den Füßen lenken, das Segel mit einer Hand bedienen und dabei versuchen, nicht mit anderen Strandseglern zusammenzustoßen – zu Beginn waren wir erst einmal überfordert. Doch schon bald wich die anfängliche Unsicherheit purer Euphorie. Eine großartige Erfahrung, selbst wenn man keinerlei Segelerfahrung hat. Dauer: ca. 1,5 bis 2 Stunden. Preis 44 €. Es können natürlich auch weitere Stunden hinzugebucht werden. Online-Reservierung empfehlenswert

Wo kann man schlafen und essen?
Wir übernachteten im Hotel La Villa Rose Marie, das in einer charmanten Belle-Époque-Villa im Zentrum von Saint-Brévin-l’Océan untergebracht ist. Die Zimmer waren einfach, aber komfortabel und sehr praktisch eingerichtet. Die Lage fanden wir ideal: Man ist im Nullkommanix am Strand und in den Einkaufsstraßen des Ortes. Auch das Abendessen im Côte & Dunes war überraschend gut. Von diesem Restaurant auf Pfählen blickt man auf ein wildes Stückchen Küste voller Schilf, Dünen und Sträucher, hinter denen der Atlantik liegt. Das Restaurant gehört zum Ferienpark La Dune de Jade, in dem ihr auch Lodges, Bungalows und Camping-Stellplätze buchen könnt.
Pornic: Hafenstädtchen mit viel Flair am Atlantik
Wieder en route auf der Küstenstraße zog es uns nach Pornic, wo wir eine Kaffeepause einlegen wollten. Was für ein schönes Städtchen! Im alten Hafen schaukelten bunte Fischerboote und traditionelle Segelschiffe sanft auf den Wellen, und entlang der Kais reihte sich ein Straßencafé und Restaurant an das nächste. Über die Promenade konnte man sogar zur Burg spazieren, die schon seit dem Mittelalter über dem Hafen thront.

La Bernerie-en-Retz und Les Moutiers-en-Retz: charakteristische Küstenorte
Unser Roadtrip in Richtung Süden entlang der französischen Atlantikküste führte uns auch nach La Bernerie-en-Retz und nach Les Moutiers-en-Retz. Beide Orte sind herrlich authentisch und ruhig. Es gibt eine Einkaufsstraße und anstatt eines breiten Boulevards nur einen schmalen Fußweg entlang des Strandes. Hier und da stößt man auf hübsche kleine Häuser und Holzboote am Ufer. Dorf und Strand scheinen hier nahtlos ineinander überzugehen: ein perfektes Spiegelbild der jahrhundertealten Liebesbeziehung zwischen Mensch und Meer.
Sallertaine: Kunst und Handwerk
Im Hinterland in Richtung Challans liegt Sallertaine, ein charmantes Künstlerdorf, das vor allem im Sommer mit seinen Ateliers und Galerien viele Menschen anzieht. Doch auch außerhalb der Hochsaison ist dies ein hübscher Ort für einen Spaziergang. Denn fast hinter jeder Tür verbirgt sich ein Atelier, und die Kunst liegt einem buchstäblich zu Füßen.
Marais Breton Vendéen: ein früheres Sumpfgebiet
Sallertaine ist auch der ideale Ausgangspunkt für verschiedene Wander-, Rad- und Bootsausflüge durch die Umgebung des Marais Breton Vendéen. Einst war dies ein Sumpfgebiet, doch ab dem Mittelalter wurde es Stück für Stück mit Hilfe des Wissens und der Erfahrung holländischer Wasserbauer trockengelegt. Mit dem Kanu könnt ihr an Wiesen, Gräben und Schilfgürteln vorbei zu der noch funktionierenden Moulin de Rairé fahren, der einzigen Windmühle in Frankreich, die seit ihrer Errichtung im Jahr 1555 ununterbrochen in Betrieb ist und besichtigt werden kann.
Challans: shoppen in der Vendée
Die Stadt Challans ist als das wirtschaftliche Zentrum der Vendée bekannt. Erwartet hier keine historischen Sehenswürdigkeiten, dafür aber zahlreiche Geschäfte. Entlang der Zufahrtsstraßen befinden sich mehrere Gewerbegebiete und Einkaufszentren. Auch in der Stadtmitte, rund um die Rue Gambetta und den Place Aristide Briand, gibt es Einkaufsstraßen mit Mode- , Fach- und Einrichtungsgeschäften sowie Feinkostläden.
Erfahrt mehr über unseren Ausflug zur Insel Noirmoutier, die hier vor der Küste liegt.
Saint-Jean-de-Monts: Strände, Wälder und endlose Radwege
Die letzte Station unseres Roadtrips war Saint-Jean-de-Monts, der größte Badeort der Gegend, mit endlosen Sandstränden und Pinienwäldern. Vom Aussichtsturm Pey de la Blet aus hatten wir einen herrlichen Blick auf die Umgebung. Doch die schönste Art, die Gegend zu erkunden, war für uns nach wie vor das Fahrrad.
Wir haben die Route Coquillages et Pommes de Pin mit dem Fahrrad zurückgelegt und sind dabei 17 Kilometer durch Kiefernwälder und entlang der Küste gefahren. Diese Strecke ist nicht ausgeschildert, aber wir konnten sie als GPS-Datei oder als PDF herunterladen. Das war auch gut so, denn das Netz an Radwegen durch die Kiefernwälder ist ziemlich umfangreich. Es wird auch von den vielen Campern als Zufahrt zum Strand genutzt (siehe unten).
Campingplätze in Saint-Jean-de-Monts: Auswahl genug!
Als wir die Promenade von Saint-Jean-de-Monts entlangradelten, sahen wir zahlreiche Hotels und Ferienanlagen. Doch der Schein trügt, denn das größte Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten in Saint-Jean-de-Monts besteht aus Campingplätzen, die sich in großer Zahl entlang des 8 Kilometer langen Sandstrandes aneinanderreihen. Von kleinen, einfachen Campingplätzen bis hin zu luxuriösen Fünf-Sterne-Resorts mit Wasserparks und Wellnesseinrichtungen – die Auswahl ist riesig!

Glamping vom Feinsten
Im Camping-Resort de la Forêt haben wir ein ganz besonderes Konzept entdeckt: Die deutsche Besitzerin Wiebke und ihr Mann Gregory bieten hier wunderschöne, ökologische Holzvillen an, die im Grünen versteckt liegen. Mit einer Lounge-Ecke im Freien, einem eigenen Whirlpool, Wellnesseinrichtungen auf dem Gelände und dem Strand von Pont d’Yeu in fußläufiger Entfernung fühlt man sich wie in einem versteckten Urlaubsparadies.
Hotels und Restaurants in Saint-Jean-de-Monts
Hôtel Le Bercail
Wir übernachteten in diesem charmanten Hotel mit 12 Zimmern und einem Swimmingpool im ruhigen Viertel Devallon. Zwischen den stattlichen Villen, Pinienwäldern und Dünen schien die Zeit fast stillzustehen. Wir fühlten uns eher wie in einem Badeort aus der Belle Époque als in einem modernen Küstenort. Weitere Infos

Restaurant La Quich’Notte
Ein stilvolles Restaurant in einer authentischen bourrine (traditionelles Bauernhaus) aus dem Jahr 1903. Die Inhaber Kathleen und David Rousseau verbinden Gastfreundschaft mit einer Leidenschaft für pure, regionale Produkte und hausgemachte Gerichte. Reservieren empfehlenswert.
Crêperie de l’Estacade
Ideal für eine gute Galette oder Crêpe. In diesem Restaurant an der Promenade von Saint-Jean-de-Monts sind die Portionen großzügig und die Preise günstig. Nur eine Terrasse fehlte uns. Weitere Infos

Praktische Informationen
– Das Parken in Saint-Jean-de-Monts ist überall kostenlos, auch im Sommer.
– Die Strandzugänge sind mit dem Wort „Parée“ gekennzeichnet, gefolgt von einem Namen.
– Die Strände sind größtenteils unberührt und naturbelassen. Strandbars gibt es kaum, bringt also Essen und Getränke mit.
– Fahrräder könnt ihr an verschiedenen Orten mieten. Rechnet mit etwa 15 € pro Tag für ein normales Fahrrad und 30 € für ein E-Bike.
Mehr Informationen über die Strände von Saint-Jean-de-Monts
Sehenswürdigkeiten & Aktivitäten: Tipps für Ausflüge
Port-du-Bec: Austernhafen
Port-du-Bec, an der Küste zwischen Bouin und Beauvoir-sur-Mer gelegen, ist ein Austernhafen, der bei Ebbe trockenfällt. Doch bevor es so weit ist, fahren die Austernzüchter mit ihren flachen Booten vom Kai hinaus aufs Wasser, um zu den Austernfeldern zu gelangen. Ein faszinierendes Schauspiel! Wir waren übrigens gegen Mittag dort und beschlossen, im Restaurant Le Mord’eau inmitten der Einheimischen zu Mittag zu essen. Wir zahlten nur 15,50 € für ein komplettes Drei-Gänge-Menü mit einem köstlichen Fischgericht als Hauptgang!
Openair-Museum Le Daviaud: eine Zeitreise
Im Freilichtmuseum Le Daviaud in La-Barre-de-Monts könnt ihr entdecken, wie die Menschen früher in den Sumpfgebieten der Vendée lebten. Spaziert an alten Bauernhöfen vorbei, seht euch traditionelles Handwerk an und beobachtet von den Aussichtspunkten die einheimischen Vögel.
Die größte Überraschung? Das Kunstwerk am Parkplatz, das der Sportart „Saut à la Ningle“ gewidmet ist. Dieses traditionelle Stabhüpfen stammt eigentlich aus dem niederländischen Friesland und heißt dort „Fierljeppen“. Wie dieser Sport hierherkam? Der Überlieferung zufolge dank niederländischer Polderbauer. Im Juni und Anfang Juli werden in La-Barre-de-Monts Kurse angeboten. Eintritt 10 €, Kinder 6–17 Jahre 7 €. Weitere Infos

Sémaphore de la Pointe Saint-Gildas
Zwischen Saint-Brévin und Pornic, am äußersten Punkt der Küste, befindet sich dieser ehemalige Marine-Wachturm aus dem Jahr 1865. In seinem Inneren erfahrt ihr mehr über die maritime Geschichte der Region (Eintritt 5 €). Ihr könnt dort auch gut um das Kap herumspazieren und von dort den Blick auf den Ozean genießen. Mehr erfahren

Ile d’Yeu, eine weitere schöne Insel vor der Küste
Neben einem Besuch von Noirmoutier empfiehlt sich auch ein Tagesausflug zur kleineren Île d’Yeu. Von Fromentine aus verkehrt die Fähre etwa drei- bis fünfmal täglich. Die Fahrt mit dem Schnellboot dauert ungefähr eine halbe Stunde; auf der Insel könnt ihr dann auf Leihräder umsteigen. Weitere Infos
Zusammengefasst:
Hätte uns jemand vor unserer Reise gefragt, was wir von diesem Küstenstreifen erwarteten, hätten wir wahrscheinlich geantwortet: vor allem viel Strand, Campingplätze und Badeorte. Aber es gibt noch viel mehr als das! Hier folgen die 5 Höhepunkte unseres Roadtrips. Ihr seid herzlich dazu eingeladen, diese Liste mit euren Lieblingserlebnissen in dieser Region zu ergänzen!
1. Strandsegeln in Saint-Brévin
2. Kaffee trinken im Hafen von Pornic
3. Die Ausfahrt der Austernboote in Port du Bec beobachten
4. Radfahren auf der Île Noirmoutier
5. Ein Rundgang durch das Freilichtmuseum Le Daviaud

Tekst: Josee Schouten, beeld: Josee Schouten, Daniëlle van Poppel, depositphotos.com , Pays de Saint-Jean-de-Monts (Le Daviaud-koe) ©A. Lamoureux (strand St Jean-de-Monts, panorama Pey de la Blet) en ©emilie beaulieu photographie (strand Saint-Brévin)
Keine Reaktionen