2016 war Josée kurz nach der Eröffnung schon einmal dort. Seitdem hat sich La Cité du Vin zu einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Bordeaux entwickelt, mit fast einer halben Million Besuchern pro Jahr. Zehn Jahre später hat Nicky das Weinmuseum erneut besucht. Ist dieses außergewöhnliche Museum rund um den Wein noch immer so überraschend wie damals? Die kurze Antwort: oui!

Moderne Architektur
Noch bevor ihr das Gebäude betretet, beeindruckt La Cité du Vin mit seiner außergewöhnlichen Architektur. Der 55 Meter hohe Bau an der Garonne scheint fast in Bewegung zu sein. Seine fließende Form erinnert laut den Architekten an Wein, der im Glas geschwenkt wird. Die Glasfassade spiegelt den Fluss wider und verändert im Laufe des Tages immer wieder ein wenig ihr Aussehen. Auch im Inneren geht es spannend weiter: sobald ihr die Dauerausstellung im zweiten Stock betretet, taucht ihr in einen großen, stimmungsvoll abgedunkelten Raum ein. Gleich zu Beginn seht ihr spektakuläre Drohnenaufnahmen von Weinbergen aus aller Welt und begegnet sprechenden Porträts von Winzern – vom Burgund über Italien und Griechenland bis hin zu Australien..

Wein mit allen Sinnen erleben
Damit ist der Ton sofort gesetzt: dies ist kein Museum, in dem ihr euch hauptsächlich durch lange Texttafeln lest. Fast alle Informationen werden interaktiv oder multimedial präsentiert. Die Dauerausstellung besteht aus 18 Themenbereichen, die ihr mithilfe eines Audioguides – auch auf Deutsch – in eurem eigenen Tempo und in beliebiger Reihenfolge entdecken könnt. Dabei geht es um die Geschichte des Weins, verschiedene Weinregionen und den Einfluss von Wein auf Kunst und Lifestyle. Das Weinbaugebiet Bordeaux selbst nimmt überraschend wenig Raum ein: nur zwei der Themenstationen beschäftigen sich mit dem lokalen Weinbau, der Rest widmet sich der Welt des Weins im Allgemeinen. Dabei werden alle Sinne angesprochen. Besonders schön sind die Duftstationen: an kupfernen Riechtrichtern versucht ihr, typische Weinaromen zu erkennen. Das klingt zunächst ganz einfach, doch schnell merkt ihr, wie schwierig das tatsächlich ist.





Kreativ und interaktiv inszeniert
Auch wenn die Dauerausstellung 2023 erneuert wurde, liegt die große Stärke von La Cité du Vin zehn Jahre nach der Eröffnung noch immer in der Inszenierung. Ihr schaut kurze Filme, bewegt euch durch audiovisuelle Installationen und werdet immer wieder auf andere Weise in die Welt des Weins hineingezogen. In einem abgedunkelten Raum sitzt ihr zum Beispiel an einer langen Tafel, während Projektionen zeigen, wie Wein und Essen miteinander verbunden sind. An anderer Stelle könnt ihr bei der Weinlese virtuell Trauben in einem großen Bottich stampfen. Spielerisch und überraschend – und Besucher jeden Alters machen bei diesen interaktiven Stationen begeistert mit.
Für wen lohnt es sich?
Wer sich bereits gut mit Wein auskennt und vor allem mehr über Weinbau, Terroir oder die berühmten Weine aus Bordeaux erfahren möchte, findet manche Themen vielleicht etwas oberflächlich behandelt. Das stimmt zum Teil: eingefleischten Weinliebhabern dürfte es hier und da etwas an Tiefe fehlen. Sie würden vielleicht gerne mehr über all die kostbaren und exklusiven Bordeaux-Weine erfahren.
Andererseits gibt es, wenn man das Thema Wein etwas breiter betrachtet, unglaublich viel zu entdecken. Und die vielleicht größte Stärke dieses Museums ist, dass es ein doch recht spezielles und eher erwachsenes Thema für ein sehr unterschiedliches Publikum interessant macht. Selbst Kinder (etwa ab 8 Jahren) können hier dank der vielen interaktiven Stationen, Filme und Spiele ihren Spaß haben. Einen kleinen Minuspunkt gibt es allerdings: einige Stimmen des deutschen Audioguides klingen etwas roboterhaft, wodurch manche Texte nicht ganz so leicht zu verstehen sind.

Zum Abschluss: Aussicht und ein Glas Wein
Der Besuch endet buchstäblich mit einem Höhepunkt: im 8. Stock befindet sich Le Belvédère, ein Panoramabereich mit Blick über Bordeaux und die Garonne. Mit eurem Eintrittsticket bekommt ihr hier ein Glas Wein oder Traubensaft. Ihr wählt selbst aus einem wechselnden Angebot an Weinen aus verschiedenen Ländern: Weißwein, Rotwein oder Schaumwein. Unten erwartet euch außerdem eine beeindruckende Weinhandlung mit Tausenden von Flaschen aus rund 80 Ländern. Sogar Wein aus Deutschland ist dabei.
Plant mindestens 2 bis 3 Stunden ein
Es gibt viel zu sehen, deshalb ist La Cité du Vin keine Sehenswürdigkeit, die ihr mal eben in einer halben Stunde abhakt. Für die Dauerausstellung, ein Glas Wein mit Aussicht und eine Runde durch die Weinhandlung solltet ihr locker 2 bis 3 Stunden einplanen. Damit ist das Museum auch eine ideale Aktivität für Tage, an denen es in Bordeaux entweder zu heiß ist (drinnen gibt es eine Klimaanlage) oder regnet.






Via Sensoria: Weinverkostung als besonderes Erlebnis
Wer nicht nur schauen, sondern auch probieren möchte, kann sich für Via Sensoria entscheiden. Dieses separate Erlebnis findet in kleinen Gruppen statt und wird von einem Sommelier begleitet. Während der etwa einstündigen Tour durchquert ihr vier Räume, die jeweils eine Jahreszeit darstellen. Bilder, Klänge und Düfte schaffen eine besondere Atmosphäre, die auf die verschiedenen Bordeaux-Weine abgestimmt ist, die ihr dabei verkostet. Außerdem entdeckt ihr, wie sehr wie sehr ein passender kleiner Happen den Geschmack eines Weins beeinflussen kann. Interessant! Und auch hier wird das Thema Weinverkostung wieder sehr zugänglich und unkompliziert vermittelt. Via Sensoria ist nicht im regulären Eintrittspreis enthalten und muss separat gebucht werden.
Praktische Informationen
- Standardticket (Dauerausstellung + Le Belvédère mit Verkostung): der reguläre Museumsbesuch dauert etwa 2 bis 3 Stunden. Ihr könnt die Ausstellung mit einem Audioguide in eurem eigenen Tempo erkunden. Eintritt für Erwachsene: 20 €
- Tickets könnt ihr vorab online buchen. So spart ihr euch bei der Ankunft das Anstehen. Das Ticket könnt ihr auch auf dem Smartphone vorzeigen.
- Ermäßigte Tickets (Kinder, Studenten, Familientickets usw.) sind ausschließlich über die Website von La Cité du Vin oder an der Museumskasse erhältlich.
- Via Sensoria: ein separates, etwa einstündiges Erlebnis mit Führung in kleinen Gruppen. 23 € für Erwachsene.
La Cité du Vin, täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Weitere Informationen: www.laciteduvin.com
Text: Nicky Bouwmeester , Josee Schouten, Ulrike Graffberger Bild: Karen Kommer-de Graaff, Josee Schouten, Carole Gölitz -©Anaka/La Cité du Vin
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